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Katholisch. Politisch. Aktiv.

Politische Bikldung im Kontext Kirchlicher Jugendarbeit

Bischöfliches Jugendamt

DIE Studientagung für Jugendpastoral im Bistum Regensburg

Die Zeit von Montag bis Mittwoch (Buß- und Bettag) vor dem Christkönigssonntag ist die traditionelle StuJu Zeit. So trafen sich vom 18. bis 20. November 2019 gut 75 Ehren- und Hauptamtlich an der Jugendarbeit im Bistum Regensburg Interessierte, um sich gemeinsam über ein Thema der Jugendpastoral weiterzubilden und in einen Gedankenaustausch zu kommen.

Politische Jugend

In diesem Jahr drehte sich die Fortbildung um einen Aspekt der kirchlichen Jugendarbeit, der zwar ein Querschnittsthema ist, aber nur selten wirklich thematisiert wird: der politischen Bildung.

Wenn man Freitag für Freitag auf die Straßen und Plätze der Republik sieht, dann bemerkt man jugendlichen Protest: Es wird für eine bessere ökologische Zukunft demonstriert.

Die Jugend scheint wieder politisch aktiv zu werden, so wie sie es auch vor mehr als 30 Jahren war, als auch die Katholischen Jugendverbände, wie etwa die KjG gegen den Bau der Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf auf die Straße ging. Unter anderem der Bürgerprotest besiegelte vor genau 30 Jahren das Aus der Atomaufbereitungsanlage im Taxöldener Forst.

Hauptreferentin Marie Schwinning

Mit Marie Schwinning (siehe Artikel Do it yourself auf S. 4 und 5) konnte eine sehr kompetente Referentin gewonnen werden. Sie arbeitet in der Arbeitsstelle der deutschen Bischofskonferenz für Jugendseelsorge (afj) in Düsseldorf als Referentin für politische Bildung.

Aus ihrem reichen Erfahrungsschatz aus ihrem beruflichen und auch privaten Umfeld schaffte sie es geschickt unter dem Titel „Theorie mit Marie“ die Grundzüge der politischen Bildung den Teilnehmern vor Augen zu führen und für das Thema das vorhandene Interesse zu verstärken.

Wie man sich in das politische Tagesgeschäft einbringen kann

In Speeddating stellten verschiedene Akteure die unterschiedlichen Formen, wie sich der Einzelne in das politische Geschehen einbringen kann, vor:

  • Für Demonstrationen stand die Ausstellung der Gruppe „KjG gegen Wackersdorf“. Bei der 18 Meter langen Bilderwand entstanden Gespräche rund um den außerparlamentarischen Widerstand damals und heute.
  • Beim Jugendrat der Stadt Waldsassen können junge Menschen ihre Vorschläge, wie die Stadt für junge Menschen attraktiver werden könnte, direkt einbringen. Ein Mitglied des Jugendrates und ein Stadtratsmitglied stellten diese Beteiligungsform vor.
  • Der Vorsitzende des KLJB Diözesanverbands Regensburg stellte das Projekt „Landtag live vor. Die kath. Jugendverbände auf Bayernebene bieten alle zwei Jahre dieses intensive Praktikum an.
  • Tobias Gotthardt, der Mitglied im Bayerischen Landtag ist, sprach über das Thema Politik als Beruf und über seine Motivation in hauptberuflich in die Politik zu gehen.

Du hast die Wahl - wirklich?

Ein Höhepunkt war der Beitrag des AK Inklusion „Du hast die Wahl – wirklich“. In einer demokratischen freien, geheimen und gleichen Wahl konnte die Musik, mit der am nächsten Tag geweckt wurde, gewählt werden. Allerdings unter erschwerten Bedingen, wie sie viele unserer Mitmenschen tagtäglich aufgrund einer körperlichen oder seelischen Krankheit oder Behinderung erleben: Man möchte eine Wahlwerbung verstehen, ist aber hörgeschädigt, man möchte zum Wahllokal kommen, ist aber gehbehindert, man möchte an der Wahl teilnehmen, ist aber zu jung dazu, man möchte einen Wahlzettel ausfüllen, ist aber blind und schließlich möchte man das Ergebnis der Wahl verstehen, ist aber aufgrund einer Einschränkung nicht in der Lage das gesprochene Wort zu verstehen. In vier Stationen wurde den Teilnehmern/-innen für eine kurze Zeit ein Handycap zugemutet.
Als Experte stand Sebastian Müller vom Büro für leichte Sprache Rede und Antwort. Er besuchte mit seinem Rollstuhl und seiner Assistenz die einzelnen Gruppen und beantwortete die Fragen, die bei den einzelnen Gruppen entstanden, etwa wie ein Mensch, der wie er sehr stark sehbehindert, ja fast blind ist, einen Stimmzettel ausfüllen kann.
Durch diesen Beitrag wurde einmal die Perspektive gewechselt und es machte sich der eine oder die andere Gedanken darüber, wie inklusiv die eigenen Angebote in der Jugendarbeit wirklich sind.
Übrigens hat die Wahl „Scottland the brave“, die schottische Nationalhymne auf Dudelsäcken gespielt, klar gewonnen.

Praktische Erfahrung in Workshops

Am Dienstag konnte man unterschiedliche praktische Erfahrungen in Workshops sammeln. Referenten aus ganz Bayern stellten unterschiedliche Methoden aus dem Bereich der politischen Bildung vor:

  • angefangen von ganz praktischen Dingen wie Upcycling
  • und den Themen Umweltschutz und Nachhaltigkeit ganz praktisch,
  • über Methoden wie man die Meinung auch der stillen Teilnehmerinnen und Teilnehmern in Gruppen heraushören kann,
  • Demokratie in der außerschulischen Bildungsarbeit,
  • der Wiederbelebung eines Jugendverbandes,
  • dem Modell Zukunftswerkstatt
  • bis hin zu tagespolitischen Themen wie
  • "Fake News" im Netz,
  • wie man Stammtischparolen
  • und dem wachsenden Rechtspopulismus entgegnen kann
  • und wie an historischen Orten des Nationalsozialismus eine Erinnerungskultur an junge Menschen weiter vermittelt werden kann.

Stimmungsvoller Gottesdienst

Im gemeinsamen Gottesdienst, der in diesem Jahr wieder in der neu renovierten Abteikirche stattfinden konnte und den die Band „Rhythm Up“ musikalisch gestaltete, verkündete Jugendpfarrer Christian Kalis das Evangelium in leichter Sprache. In den anschließenden Gedanken, stellte der Geistliche die Frage, wer den der Herr im Haus der Kirche ist und regte so zum Nachdenken an.

Offenes Podium

Den Abschluss der Tagung bildete ein offenes Podium. Auch hier waren Akteure der politischen Bildung aus allen Ebenen vertreten. Bernhard Suttner, der ehemalige Landesvorsitzende der ÖDP konnte aus seinem reichen politischen Erfahrungsschatz, der aus der Würzburger Synode und dem zweiten vatikanische  Konzil ein theologisches Fundament hat, berichten. Der Bundesvorsitzende des BDKJ in Deutschland Thomas Andonie steht für die politische Jugendverbandsarbeit und deren (kirchen-) politischen Ziele. Jugendpfarrer Christian Kalis brachte die Möglichkeiten des Engagements junger Menschen auf Kreis und Bistumsebene ein. Zwei jugendliche Vertreter fanden den Weg aufs Podium: Thomas Keil aus Landshut vertrat dabei Fridays for Future und Felicitas Gierisch aus Weiden berichtete von ihrem Engagement für ihre Mitmenschen, wenn sie sich z.B. dafür einsetzte, dass ein behinderter Asylbewerber durch den Malteser Hilfsdienst in Weiden nicht abgeschoben werden konnte.

Protokoll per Grafikrekording

Die Grafikrekorderin Maria Stöckl hielt die Studientagung protokollarisch in Bildern (siehe Bild S.4) fest. Eine Schlussreflexion konnte so die Inhalte der Tagung präsent machen und die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ins Überdenken ihres eigenen Tuns bringen.

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